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Jetzt ist es genau eine Woche her, dass wir unserem allerliebsten Freund über die Rbb geholfen haben. Viele Erinnerungen sind uns in dieser Woche durch den Kopf gegangen, wieder und wieder kamen uns Episoden  und Geschichten aus unserem gemeinsamen Leben in den Sinn. 

Wir kehrten bis ganz an den Anfang zurück, an den 1.Tag, als wir das liebenswerte Riesenbaby übernommen hatten, damals am 3. September 2009.

Was war er einfach nur lieb und unterwürfig zu jedem neuen Kumpel. Diese Spiele mit dem neuen Rudel, hoch interessiert an allem was um ihn herum los war, dieser Überschwang von Leben, damals schon die Freude, etwas schreddern zu können, alles Eigenschaften, die sich durch sein ganzes Leben zogen, die grosse Freude an Wasser...

Das Rudel
Das Rudel

24.6.2022

"Unser tägliches Brot gib uns heute..."

 

Wir haben heute früh einen herrlichen Spaziergang über das Oeschenbacher-Hochplateu gemacht. Wunderschön waren die vielen verschiedenen Getreidefelder anzusehen, majestätisch, voller Kraft, Leben spendend. -

Unsere Gedanken schweiften umher, von einem irdisch guten Duft, der uns um die Nasen zog, bis in den Himmel zu all unseren Kumpel`s, die das Silbergeschirr tragen, wir redeten miteinander, mit Frauchen und mit Gott - und fanden uns in Gedanken wieder im Himmel... Ruhe um uns herum, Frieden in uns drin, aber auch Trauer in Frauchens Herzen, wir spürten es wohl.

Dann stellen wir uns zu ihr, unter ihre Hände, bis wir sie in unserem Fell spüren, und wir schauen uns in die Augen, bis ihr Gesicht wieder lächelt und uns alle durchströmt neue Freude...

Eagle
Eagle

22.6.2022

Ich bin sonst nicht der, der sich so hervortut, aber heute muss ich etwas wirklich grossartiges erzählen über mich und mein Frauchen. Es geht, wie Frauchen untenstehend auch geschrieben hat, um das Vertrauen. 

Es geht um eine Geschichte in unserem Rudel, die sich vor vielen Jahren ereignet hatte und die sich auf mein Vertrauen zu Frauchen verheerend ausgewirkt hat. Einer meiner Kumpels und ich bekamen uns damals im Gespann stehend, furchtbar in die Haare. Wir verletzten uns gegenseitig, äusserlich ein wenig, innerlich aber gravierend. 

Im Rudel rauften wir uns zusammen, aber die entstanden innerlichen Verletzungen liessen Narben zurück. Wir fanden nie mehr richtig wieder zusammen, jeder ging mehrheitlich seinen eigenen Weg und Frauchen spannte uns auch nie wieder neben einander ein. 

Doch mein Kumpel konnte die Schmach, dass ich mich ihm damals nicht einfach sang- und klanglos gefügt hatte, wohl nie ganz überwinden. Ab und zu klemmte er mich, einfach so, beim Vorbeilaufen, kurz in meinen Hintern, was mich aber nie dazu bewog zurückzugeben. 

Und einmal passierte dann dieses ganz schreckliche, verheerende Missverständnis: Als ich ganz nahe neben meinem heissgeliebten Frauchen im Gehege stand, (das mir ja die Freude am Laufen und Ziehen wieder zurückgegeben hatte und dem ich seither vollkommen vertraute), zwickte mich mein Kumpel wieder mal, und diesmal ganz gehörig, in den Hintern. Er hatte sich sozusagen von hinten angeschlichen, lautlos, fügte mir sehr starke Schmerzen zu und haute wieder ab. Es floss kein Blut, aber es tat enorm weh. Und das Schlimmste daran war, ich hatte ihn nicht gesehen und so musste ich annehmen, dass dieser grosse Schmerz von meinem Frauchen her kam. Ich stand neben ihr, quasi Fell an Fell, fühlte plötzlich diesen  Schmerz und niemand sonst war bei uns, (meinte ich), also verband ich diesen grossen Schmerz mit meinem Frauchen. -

 

In Bruchteilen einer Sekunde durchjagten mich riesengrosses Unverständnis, Fassungslosigkeit, eine Welle der Angst überspülte mich, ich sprang von Frauchen weg, rannte davon und versteckte mich in einer Hütte, versteckte mich, vor Frauchen. Ich liebte mein Frauchen von ganzem Herzen, warum nur, warum hatte sie das getan, warum hatte sie mir diesen Schmerz zugefügt??? Oder war es am Ende doch wieder mein Kumpel, aber der war ja doch gar nicht bei uns!? Also muss  es doch  Frauchen  gewesen  sein, aber warum, warum nur,

w a r u m ???????????????

Meine Welt hob sich aus den Angeln, ich verlor mein ganzes Vertrauen in mein Frauchen --- Sie hatte natürlich bemerkt, wer da eigentlich am Werk gewesen war.  Ich aber verband meinen körperlichen Schmerz eins zu eins mit Frauchen. Und weil ich überhaupt nicht wusste, warum in aller Welt mein Frauchen mir  solch einen Schmerz zugefügt hatte, verlor ich ab dato unweigerlich mein Vertrauen in sie. Und das geschah vor langer, langer Zeit, vor vielen Jahren.

War das Rudel inkl. Frauchen zusammen in Haus oder Gehege verkroch ich mich in einer Boxe oder Hütte und liess mich nicht blicken, jahrelang. Und beide litten wir deswegen vor uns hin, aber beide konnten wir nichts tun. - Noch nicht.

Unternahmen Frauchen und ich alleine etwas zusammen, freute ich mich jedoch enorm; ich liebte sie doch noch immer so sehr.

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Mit der Zeit fiel irgendwann einmal dann doch wieder ein ganz kleines Samenkorn des Vertrauens in mein Herz und nistete sich dort ein, ganz langsam, in aller Ruhe. Ich selber hatte es noch gar nicht bemerkt, aber es fasste Grund, trieb eine kleine, feine Wurzel und begann zu wachsen. Ganz zart aber nur, und strich etwa ein zügiger Wind  durchs Rudel,  konnte es sehr schnell auch wieder umgeknickt werden. 

Aber dieses Pflänzchen wuchs, gewann an Kraft und diese Kraft begann ich zu spüren. Es kam der Tag, an dem ich leise, verstohlen, den Blick immer in Richtung Frauchen, meine Sicherheitshütte für ein paar geduckt schleichende Schritte verliess, mit wild klopfendem Herzen, was wohl gerade passieren würde. - Aber alles blieb gut. Und so begann mein Vertrauen in Frauchen wieder zu wachsen, ich spürte es wohl, aber noch mit grossen Vorbehalten.

Aber da Frauchen mich nie, nie zu etwas drängte, sondern mir meine Zeit liess, die ich brauchte, auch wenn es eine seeeehr lange Zeit war, konnte mein Vertrauen stetig wachsen. Und wir spürten beide genau, was da in uns und mit uns passierte, und es fühlte sich gut an. Aber noch war ich sehr auf der Hut, scannte meine Umgebung permanent, wenn wir alle im Gehege beisammen und waren und ich mich aus der Hütte wagte.

So blieb das auch eine geraume Zeit, und doch wurden die Runden die ich durchs Gehege machte langsam immer etwas grösser. Das Rudel wurde kleiner, mein Ängste auch; ein Weg wurde frei.

 

Und dann kam vor drei Tagen der Moment, wo ich mich, nach dem Durchstreifen des Geheges, plötzlich bei Frauchen wiederfand und ihre Hände auf meinem Fell spürte. Die Welt stand still - und als sie sich weiterdrehte, stand ich immer noch bei Frauchen, streichelte sie mich immer noch. Ich hatte es geschafft, ich hatte mich wieder, wortwörtlich, in die Hände meines Frauchens begeben. Und es war soooooooo gut, es fühlte sich sooooooo gut an.

Das Eis war gebrochen, das Vertrauen kam wieder ganz an die Oberfläche. Von dem Moment an, hielt mich nichts mehr auf, immer und immer wieder zu Frauchen zu gehen. Und ich spürte ihre Hände immer wieder in meinem Fell. Wir haben uns wieder gefunden und wir sind beide überglücklich.

Und nicht nur das, ich spüre auch jeden Moment, dass dieses unser neues Zusammenfinden meinem Frauchen auch ganz fest über all diese Abschiede hinweg hilft, ihr Kraft gibt, zum Umgang mit diesen Verlusten. Das macht mich froh. Und sie hat mir auch einen neuen Beinamen gegeben, seit drei Tagen: Newcomer, ich bin nun ihr "Newcomer".

 

Liebe, treue Leser, ihr kennt nun eine ganz lange, ganz traurige Geschichte meines Lebens, die auf einem grausamen Missverständnis beruht. Aber es ist eine Geschichte mit einem echten Happyend, und darüber sind Frauchen und ich unendlich froh und dankbar.

In grosser Liebe, euer Eagle

Ab hier finden sie die Einträge in chronologischer Reihenfolge

 

18.6.2022

Unfassbar, schon wieder ein Tag des Abschiedes!!

 

Yukon

13.12.2008 - 18.6.2022 

 

 

 

Das sprudelndes Leben draussen,

die lähmende Stille drinnen -

Die sengende Hitze draussen,

der fröstelnde Versuch, mit dem Verlust klarzukommen, drinnen -

 

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Am Tag zuvor noch auf einem kurzen Morgenspaziergang, dem liebgewonnenen Rotbächlein entlang - heute Morgen kann er nicht mehr alleine aufstehen, hat die Kraft nicht mehr, will nur noch ruhen. Wir haben ihn zur Regenbogenbrücke gebracht und liessen ihn gehen...

 

unseren über alles geliebten Yukon,

das ewige Baby,

der tolle Gespannskumpel,

Schlingel,

das Schäfli,

der lustige Spielkamerad,

Merkurs dickster Freund - 

 

mit ihm ist er nun wieder vereint.

 

 

 

 

 19.6.2022

 

Einen Tag sind wir nun ohne Yukon -

drei Monate ohne Merkur.

Ein Jahr ohne Ice

und eines ohne Amarok.

Viereinhalb Jahre ohne Borea und Skeena,

Fünf Jahre ohne Snow

und ebenso viele ohne Chenook.

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Und noch länger her, ohne die vielen andern...

Bakayan

Ninka

Nanook

Kivani

Polar

Balto

Highlander

Zeus

Aijuscha

Timber

 

All denen, allen, gedenken wir heute in ganz besonderem Mass!

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Auch ehemaliger Leithund Snow hat ihm empfangen, sowie alle andern vorangegangenen Huskypöstler. Yukon, der letzte Mohikaner aus dem legendären Nothilfegespann.

 

Frauchen
Frauchen

22.6.2022

Wir erleben eine Zeit der Abschiede, eine harte Zeit der Abschiede; unverhoffte, unerwartete, solche die man begreifen muss, solche die unbegreiflich sind, - aber, wir haben uns Vier!

Und schon nur einen  Tag nach dem letzten Abschied hat sich unsere Rudelstruktur neu gefügt, verstärkt, zum Positiven verändert. Der Wille zum Zusammenhalten ist ungebrochen, aber verändert, intensiviert, auf das wirklich Wichtige fokussiert und bricht sich Bahn. Vermeintlich Wichtiges zeigt sich plötzlich als belanglos und es loszulassen befreit.

Und wir finden uns noch enger in unserem Vierer-Rudel zusammen, Freude, Liebe und Vertrauen sind wieder ein Stück gewachsen, bei Eagle, Rainey, Blizzard und Frauchen.

 

 

 

Juni 2022

 

 

Kein Unglück (Glück) des Lebens 

ist dem vergleichbar:

Einen edlen und 

zuverlässigen Freund

zu verlieren (besitzen)!

                     

         Joseph Addison

        Huskypost